Im Interview: Michael Kalthoff, Vorstandsvorsitzender der RAG Aktiengesellschaft und Vorsitzender der Geschäftsführung der RAG Montan Immobilien GmbH
Herr Kalthoff, die ExtraSchicht zeigt jedes Jahr besondere Orte im Ruhrgebiet. Was macht diese Standorte für Sie so charakteristisch?
Die Standorte der ExtraSchicht sind für mich deshalb so charakteristisch, weil sie Orte mit einer starken Identität sind. Insbesondere die ehemaligen Bergbauflächen tragen Geschichte, Atmosphäre und ein besonderes Gefühl in sich – etwas, das man sofort wahrnimmt, wenn man sie betritt.
Bei der RAG Montan Immobilien ist es unser Anspruch, diese Charakteristik zu bewahren und gleichzeitig weiterzuentwickeln. Wir möchten, dass diese Orte eine neue Bedeutung für Menschen, Städte und Unternehmen bekommen, ohne dass ihre Herkunft verloren geht.
Viele Ihrer Standorte sind auch in diesem Jahr wieder Teil der ExtraSchicht. Warum ziehen gerade ehemalige Bergbaustandorte so viele Menschen an?
Diese Orte haben eine besondere Strahlkraft – das hat sich im vergangenen Jahr deutlich gezeigt. Rheinpreussen Schacht IV in Moers, das CreativRevier Heinrich Robert in Hamm, die Neue Zeche Westerholt oder das Zechenareal Fürst Leopold waren Publikumsmagnete und sind auch in diesem Jahr wieder dabei.
Ich glaube, der Grund dafür ist einfach: Hier wird Transformation sichtbar und erlebbar. Die Verbindung aus industrieller Vergangenheit und neuer Perspektive berührt viele Menschen. Man spürt, was möglich ist, wenn man solche Flächen ernst nimmt, ihre Potenziale erkennt und ihnen eine Zukunft gibt. Das ist authentisch, nachvollziehbar und vermittelt ein Gefühl von Aufbruch.
Wie entstehen aus solchen industriellen Relikten neue Zukunftsquartiere?
Der Weg zu einem Zukunftsquartier beginnt immer mit Verständnis für den Ort. Was prägt ihn? Was sollte erhalten bleiben? Und was braucht er, damit neue Nutzungen entstehen können? Wenn wir diese Grundlagen klar haben, können wir eine Idee entwickeln, die dem Ort gerecht wird.
Dabei zeigt sich manchmal, dass ein Standort zunächst flexible Räume benötigt – für Ateliers, Proben oder kreative Werkstätten. Das ist weit mehr als eine Zwischenlösung. Für einige Künstlerinnen und Künstler der ExtraSchicht war es eine echte Starthilfe: Sie konnten hier ihre ersten eigenen Arbeitsräume beziehen und sichtbar werden. Gleichzeitig zeigt der Standort, welches Potenzial in ihm steckt, noch bevor die langfristige Entwicklung beginnt.
Wenn später Infrastruktur, Freiräume, Mobilität und Energieversorgung zusammenkommen, können lebendige Quartiere entstehen – Orte, an denen Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Natur miteinander verbunden werden.
Unsere Aufgabe ist es, genau diese Voraussetzungen zu schaffen. Wir entwickeln nicht nur Flächen – wir ermöglichen Entwicklung. Der spannendste Moment ist dabei oft der, in dem ein Ort erstmals neu genutzt wird und eine neue Geschichte beginnt.
Mehr zur ExtraSchicht unter: www.extraschicht.de.